Warum eine veraltete, allzu gewöhnliche oder inaktive Website für eine Anwaltskanzlei nicht in Frage kommen darf

10
Nov

Warum eine veraltete, allzu gewöhnliche oder inaktive Website für eine Anwaltskanzlei nicht in Frage kommen darf

Auf dem Rechtsberatungsmarkt drängen sich derzeit laut Bundesrechtsanwaltskammer etwa 162.695 Rechtsanwälte – Tendenz steigend bis etwa 2020. Klaus Werle und Eva Buchhorn fragten bereits deshalb im KARRIERE SPIEGEL „Wohin nur mit all den Anwälten?“, Joachim Wagner beklagte – zu Recht – in der WELT ein „Enormes Qualitätsgefälle bei deutschen Rechtsanwälten“ innerhalb dieses überfüllten Marktes und Hartmut Kilger nannte in einem Interview mit Elisabeth Dostert für die Süddeutsche.de die Folge dieses Überangebots: „Viele Rechtsanwälte hören einfach auf“. Für Anwaltskanzleien ist es deswegen existenziell aus dieser Masse öffentlichkeitswirksam hervorzustechen.

Doch die meisten Rechtsanwälte reagieren nicht nur nicht oder zu spät auf den internen Wandel im Berufsstand, sondern auch auf den externen Wandel hinsichtlich des Zeitgeistes und des technischen Fortschritts. Öffentlichkeitswirksam heißt heute nicht mehr ein Büro mit einem Schild und gelegentlichen Inseraten in der Zeitung, in der Hoffnung, dass jemand kommt, sondern eine ansprechende Kanzlei-Website auf dem neuesten Stand der Technik als zweites Büro, durch die Sie Ihre Dienstleistung nicht nur anbieten, sondern vielmehr eine zusätzliche Dienstleistung erbringen.

Wenn Sie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit in Untätigkeit verharren und die Webpräsenz Ihrer Kanzlei vernachlässigen, werden Sie vor allem drei Fehler begehen – und deshalb in der Masse von Rechtsanwälten und Kanzleien in der digitalen und realen Welt untergehen.

Der Stillstandsfehler: Die veraltete Website einer Anwaltskanzlei

Wir leben im digitalen Zeitalter. Das heißt, dass auf diesem Gebiet die meisten Errungenschaften stattfinden. Für allerlei Technik, ob Hard- oder Software, Geräte oder Websites, gilt: In drei Jahren ist es überholt, in sechs alt, in neun historisch.

Nun versetzen Sie sich in die Gedankenwelt eines potentiellen oder auch bestehenden Mandanten, der Ihre Kanzlei-Website ansteuert; was wird er über den oder die Berufsträger hinter der veralteten Website denken.

Und eventuell ruft der User die Website Ihrer Anwaltskanzlei auch nicht über einen Desktop-PC oder ein Notebook am Schreibtisch auf, wie es früher einmal üblich war, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit von unterwegs über ein Smartphone oder auf der Couch über ein Tablet. Nun erscheint die Webpräsenz der Kanzlei nicht nur veraltet, sondern zusätzlich auch „unförmig“, um nicht zu sagen „unpassend“.

Das sind Attribute, mit denen sich keine Kanzlei schmücken möchte. Kommerzielle Webseiten, also solche die dem Geschäftsbetrieb in monetärer Weise dienlich sein sollen, müssen daher stetig mit dem technischen Wandel gehen, um den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Dienstleistungen in einem stark umkämpften Markt wie der Rechtsberatung erbracht werden.

Wenn Sie alle paar Jahre Ihre veraltete Website upgraden, bewirken Sie also dreierlei: Sie zeigen, dass Sie mit dem Fortschritt gehen statt vom ihm zurückgelassen zu werden, Sie erbringen dem Mandanten mit der zeitgemäßen Website eine Dienstleistung und Sie heben sich von Ihren Konkurrenten ab.

Der Schwarmfehler: Die allzu gewöhnliche Website einer Anwaltskanzlei

Um sich durchzusetzen, reicht eine moderne Website für eine Kanzlei nicht aus. Deshalb braucht sowohl die Webpräsenz als auch die Kanzlei ein klares Profil: Fragen Sie sich und stellen Sie dar, wer Sie sind, was Sie können und wen Sie erreichen wollen.

Das Erste wird nicht durch ein Foto von einem halb-grimmigen Anwalt hinter einem Schreibtisch mit einer Bankerlampe und einem kurzen tabellarischen Lebenslauf beantwortet; das Zweite nicht durch eine Aufzählung jener Fachgebiete, die Sie bearbeiten oder bearbeitet haben – oder bearbeiten wollen –; das Dritte nicht durch die Angabe der Adresse und Telefonnummer. Und auch äußere Merkmale wie die Verwendung von Paragraphenzeichen im Logo oder einer Justitia im Background verleihen der Kanzleipräsenz nicht mehr Profil. All dies ist Standard, Klischee.

Vielmehr:
1. Lassen Sie professionelle Fotos von Ihrem Team machen, die Sie in guter Laune und souveräner Haltung zeigen. Ihr Mandant kommt mit Problemen zu Ihnen, er möchte nicht von einem Problem beraten werden. Stellen Sie sowohl Ihren juristischen Werdegang als auch Ihre Tätigkeiten in angemessener Weise dar. Ihr Mandant interessiert sich nicht für Ihr Leben, sondern für Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten.
2. Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten können Sie durch wissenschaftliche Beiträge, Spezialisierungen, Referenzen, erfolgreiche Mandate und Aktivitäten in Ihrem Fachgebiet darlegen. Eine allgemeine Mitgliedschaft in einem Verband ist zwar erwähnenswert, aber nichtssagend. Ein Mandant möchte auf Ihrer Website nicht sehen, was Sie in Ihrer anwaltlichen Tätigkeit machen, sondern was Sie wirklich können.
3. Eine Website dient vor allem der Mandantenaquise. Eine Großkanzlei sollte sich für große Kunden ansprechend global positionieren, eine mittelständische Kanzlei regional, kleine Kanzleien lokal. So simpel dies klingt, so selten findet dies – vor allem bei kleinen und mittelständischen Kanzleien – nennenswerten Einzug in Websites. Heben Sie den Standortvorteil hervor. Sorgen Sie auch auf Ihrer Website für einen möglichst kurzen Draht zum Kunden: Weil Telefon und Büro nicht allzeit besetzt sind, sollten auf einer Kanzlei-Website Mail, Kontaktformular und Antragsformulare bereitstehen. Vereinfachen und automatisieren Sie den Initial- und die Folgekontakte zum Mandanten.

Wenn Sie also für Ihre Kanzlei eine neue Website planen, richten Sie sich nicht nach dem Standard, sondern fragen Sie sich, was Sie besser machen können. Treten Sie hervor.

Dies alles heißt „Profilieren“.

Der Zielfehler: Die inaktive Website einer Anwaltskanzlei

Auch wenn Sie nun eine moderne Website besitzen und gegenüber anderen Rechtsanwaltskanzleien hervorstechen, heißt dies nicht, dass Sie auch die erhoffte Beachtung finden. Wenn Sie glauben, Sie seien am Ziel angekommen, hören Sie lediglich auf fortzuschreiten. Verlassen Sie also das Start-Ziel-Denkmuster hinsichtlich der Arbeit in Ihrer Kanzlei und an Ihrer Website und denken Sie vielmehr in Input und Output. Oder: Wer mehr will, muss mehr leisten. Sicher, die Arbeit in der Kanzlei verschlingt viel Zeit und Energie, vergessen Sie jedoch nicht, dass ihre Website ein Teil Ihrer Kanzlei ist: Ihre digitale Kanzlei.

Die effektivste Methode im Web mehr Besucherströme zu generieren und dadurch mehr Mandante zu akquirieren besteht darin, einzigartige Inhalte (unique content) zu schaffen. Wenn Sie keine Inhalte schaffen, ist Ihre Kanzlei-Website nicht mehr als eine moderne, digitale Visitenkarte. Teilen Sie Ihr fachspezifisches Wissen in Blogbeiträgen und behalten Sie dabei Ihre Zielgruppe im Auge; schreiben Sie für neue Mandate. Schreiben Sie allerdings keine Haikus. Sie wollen Ihr Wissen darlegen, keine kurzen Gedankenfetzen. Je ausführlicher, aktueller und relevanter die Beiträge sind, desto eher wird dies von Suchmaschinen, Besuchern und Mandaten gewürdigt. Publizieren Sie auch extern und verweisen Sie dabei auf Ihre Website.

Hilfreich bei der Themenwahl ist vor allem auch die Analyse der Besucherströme. Google Analytics oder auch systemeigene Tools bieten allerlei Auswertungsmöglichkeiten. Verstehen Sie Ihre Website und Ihre Besucher: Finden Sie heraus, was Ihre öffentlichen Stärken sind und bauen Sie diese aus, optimieren Sie zugleich jene Felder, die noch nicht die erwünschte Beachtung aufweisen.

Ergänzend, nicht jedoch ersetzend, können auch Online-Werbemittel, wie etwa bei Google AdWords, hinzutreten. Behalten Sie jedoch im Sinn, dass potentielle Mandanten nicht den anzeigenstärksten, sondern kompetentesten Rechtsanwalt im Web suchen. Kompetenz beweisen Sie durch Äußerungen, nicht durch Anzeigen.

Fazit: Krise ist, wenn Sie Bestandteil der Krise sind

In der Masse gibt es nur drei Optionen: Der Durchschnitt lässt Ihnen nichts übrig, Sie teilen alles mit dem Durchschnitt, Sie stechen hervor und bekommen mehr als der Durchschnitt. Kurz: Durchschnitt ist keine Option.

So gut Sie auch fachlich sind, um hervorzustehen, müssen Sie dies auch öffentlichkeitswirksam sein. Am dienlichsten ist hierbei Ihre Kanzlei-Website, wenn Sie ihr Potential vollständig ausschöpfen. Fangen Sie an diese als Ihre digitale Kanzlei anzusehen und achten Sie dabei darauf, stets mit dem technischen Fortschritt zu gehen, gegenüber Konkurrenten herauszuragen und aktiv Werte im Sinne von Inhalten einfließen zu lassen. Ihre Kanzlei-Website ist ein Service für Ihre Mandanten.

Der sich verändernde Markt ist nicht Schuld für die schwere Zeit der Anwaltschaft, sondern der in Starre verharrende Rechtsanwalt, an dem die Zeit vorbeizieht. Gehen Sie mit dem Wandel und Sie werden aus der Masse hervorstechen, gehen Sie mit der Masse und Sie werden unter ihr untergehen.